Verweigere das Glück

Es gibt ein Wort, das ich nicht mehr hören oder lesen kann. Dieses Wort heißt: Glück! Vor ein paar Tagen war ich in der Buchhandlung. Ich stand vor dem Zeitschriftenregal und wurde beinahe von den Überschriften erschlagen. Die meisten wollten mir weismachen, wie das Glück funktioniert.

Aber weißt Du, egal ob sie das Glück aus der wissenschaftlichen oder spirituellen Sicht durchleuchten:

ES MACHT MICH EINFACH NICHT MEHR AN!

Es ist so, als ob ich zu viel Torte gegessen hätte. Noch ein Stück und ich werde auf der Stelle kotzen.

Wie sieht es mit Dir aus?

Ich habe eine Vermutung:

Du bist nicht unglücklich!

Du bist nur, genauso wie ich, übersättigt. Das Leben kann Dir so viele Glücksmomente schenken, Du wirst es nicht einmal mehr merken.

Deine Sinne sind so stark von einer bestimmten Vorstellung vom Glück verblendet, dass Du es nicht einmal wahrnehmen würdest, wenn eine ganze Glücksmannschaft direkt vor Deiner Tür stehen würde.

Glück ist für Dich wie ein Kaugummi. Du kaust eine Weile darauf herum, erst schmeckt er süß und frisch, nach einer Weile bemerkst Du ihn kaum noch und kaust nur noch aus Gewohnheit darauf herum. Und irgendwann spuckst Du ihn achtlos wieder aus.

Vielleicht ist das Glück auch nur ein Konzept Deines Egos. Du beschäftigst Dich lieber mit dem Glück und Glücklichsein, als tiefer in das Leben einzutauchen.

Ich frage mich im Ernst, ob wir so unglücklich sind? Ob wir über das Glück noch so viel lernen müssen?

Irgendwie habe ich das Gefühl:  Je mehr wir über das Glück erfahren, um so unglücklicher werden wir.

Und genau hier liegt der Hund begraben:

Wir wollen das Glück wissenschaftlich verstehen und begreifen, um es immer und immer zu wiederholen. Wie langweilig!

Ich bin mir auch sicher, dass die Pharmaindustrie mit Hochtour an einer Pille arbeitet, die Dich noch glücklicher macht:

Dein Glücksviagra für Dein ganzes Leben.

Für mich ist das Glück zu einem Hindernis geworden, das Leben in seiner Vollkommenheit und Reinheit zu umarmen, zu küssen und mit ihm zu flirten.

Ich will nicht mehr glücklich sein

Mir geht es jetzt nicht mehr um das Glück. Ich möchte tiefer in das Leben eintauchen und zwar ohne Pläne, ohne Wissen und ohne Vorgaben. Ich will einfach leben!

Ja, ich verweigere das Glück und bleibe offen und neugierig auf das, was danach kommt.

Ich will wissen, was sich hinter dem, was wir als Glück bezeichnen, verbirgt. Diese Ungewissheit und das Nichtwissen reizt mich gerade viel mehr.

Stell Dir vor:

Du bist gerade dabei, ein Glücksgefühl zu erleben. Dann sagst Du:

Nein, ich will es nicht! Ich verweigere das Glück! Ich will mehr, ich will sehen, was danach kommt!

Und dann wirst Du still und öffnest Dein Herz ganz weit für etwas Atemberaubendes, von dem Du noch keine Vorstellung hast.

Lass uns gemeinsam reisen

Komm mit mir, gib Dich mit dem Glück nicht zufrieden. Lass Dich nicht mit einem Kaugummi abspeisen.

Wir steigen zusammen tief in das Leben ein, indem wir einfach leben.

Wir breiten unsere Arme aus, öffnen unser Herz ganz weit und nehmen, was kommt.

Ich kann Dir keine Garantie geben, wie es wird und ob es leicht wird. Das ist eine Reise in die Ungewissheit.

Ich bin mir aber sicher, dass wir viele Überraschungen erleben werden. Es wird ein unvergessliches Abenteuer.

Vielleicht stellen wir fest, dass alle Wege nicht nach Rom führen, sondern direkt ins Herz

Und genau dort wirst Du ein neues Gefühl kennenlernen, das größer und überwältigender ist als das Glück und das, was Du bisher gefühlt hast.

Dort, wo wir hingehen, ist das Glück nichts weiter als eine Pforte in die Ungewissheit.

Bis Du bereit?

Was ich Dir mit diesem Beitrag sagen will, beschreibt dieses persönliche Erlebnis am besten:

Vor ein paar Jahren war ich auf einer Fest in unserer kleinen Stadt. Ich war müde und wollte einfach meine Ruhe haben. Ich kaufte mir ein Glas Wein und verkroch mich in eine stille Ecke. Ich beobachtete das Geschehen von Weitem.

Ich saß einfach da, hörte die Musik und lauschte den Menschen. Es war sehr angenehm.

In diesem Moment kam eine zauberhafte Frau mit einem Glas Wein in der Hand zu mir und fragte mich mit ihrer sanften Stimme:

Darf ich mich dazu setzen?

Ich war leicht genervt, antwortete jedoch aus Höflichkeit:

Ja klar, ich bin aber heute kein guter Gesprächspartner.

Das beeindruckte sie gar nicht. Sie setzte sich zu mir und begann schon nach kurzer Zeit mit mir zu sprechen.

Wir spürten beide, dass gerade etwas Magisches geschieht. Wir unterhielten uns prächtig – über eine Stunde lang. Irgendwann stand sie auf und sagte mir:

Ich möchte Deine Freundin sein, willst Du auch mein Freund sein?

Ich sagte: „Ja, sehr gerne!

Kaum hatte ich meinen Satz zu Ende gesprochen, drehte sie sich um und verschwand in der Dunkelheit.

Diese Begegnung war ein absolut zauberhaftes Geschenk. Ich werde sie wahrscheinlich nie wieder sehen, kenne nicht einmal ihren Namen, aber wir teilten das Erlebnis einer tiefen Verbundenheit und wahren Liebe fernab vom Glück.

Keiner hat darüber gesprochen, ich bin mir jedoch sicher, dass wir in dieser kurzen Zeit die heimliche Schönheit unserer Herzen in ihrer Vollkommenheit entdeckt und gespürt haben.

Lass uns das Glück verweigern und darüber hinausgehen!

Es wird nicht immer leicht und rosig sein. Aber wir werden etwas erleben, was in seiner Reinheit und Vollkommenheit einfach atemberaubend ist.

Glück ist etwas für Amateure.